Bericht 2017

Neve Hanna aus Sicht der Volontäre

Liebes Tagebuch,

erinnerst du dich daran, wie ich dir geschrieben habe, dass es mir so schwer fällt Deutschland zu verlassen? Lange ist´s her – und nun steht mein Abschied aus Israel vor der Tür! Kaum vorstellbar, dass alles, was ich hier erlebt habe, überhaupt in nur ein Jahr passt!

Allein wie genau ich das Land kennengelernt habe durch unzählige Trips, Ausflüge und Seminare. Von Bar Mizwa an der Klagemauer bis zur geschlechtergetrennten beduinischen Hochzeit. Vom spontanen Schwimmen Gehen im Mittelmeer, über Gewürzkäufe in Jerusalem und dem Nachtleben in Tel Aviv bis zum Schlafen unter dem Sternenhimmel in der Wüste. Zu Beginn ist alles noch ein wenig an mir vorbeigezogen, doch allmählich begann ich die israelische Kultur und Mentalität zu verstehen und vor allem durch die Sprache wurde ich schließlich sogar ein Teil dieser Welt. Und das alles war ja eigentlich nur meine Freizeit!

Tatsächlich war ich die meiste Zeit in Neve Hanna und habe mit fünf anderen Freiwilligen aus Deutschland auf engstem Raum zusammengelebt. Zu zweit in einem Zimmer, weißt du noch? Offen sein für Neues und viele tolle Erfahrungen sammeln – deswegen bin ich ja auch hergekommen. Gemeinsam haben wir Neve Hanna in Küche, Garten, Bäckerei und Zoo tatkräftig unterstützt und am Leben gehalten. Im Garten habe ich nicht nur gestrichen, Bäume geschnitten und unter der Sonne geschwitzt, sondern ich habe auch das erste Mal in meinem Leben geschweißt. In der Bäckerei habe ich gelernt, schneller als der Meister Teig zu kneten und Brote zu formen, in der Küche fleißig Gemüse geschnitten und im Streichelzoo, unserer Pinat Chai , der „Ecke des Lebens“, konnte ich nicht nur kanadische Kakerlaken herangezüchtet, sondern habe mich auch eigenverantwortlich unter anderem um Schildkröten, Ziegen, Ponys, Vögel etc. gekümmert. Ausmisten, Füttern, den Kindern die Tiere näherbringen und natürlich auch einfach mal mit den anderen entspannt Kaffee trinken.

Dann endlich nachmittags habe ich Zeit mit den Kindern verbracht. Ob bei Hausaufgaben, gemeinsamem Backen, Basteln, Kochen oder einfach draußen spielen, je nach Bedürfnis der Kinder. Doch auch außerhalb der eigenen Gruppe gab es viele Projekte, in welche ich mich einbringen konnte: Die Theatergruppe, die Reittherapie und auch in die heimeigene Jugendgruppe, die sich sozial engagiert, Ausflüge mitgestalten, mit Kindern Schwimmen gehen und so vieles mehr. Dadurch wurde ich nach und nach Teil dieser großen Familie.

Ich habe nicht nur Neve Hanna verändert, sondern Neve Hanna hat auch mich verändert. Viele einzigartige Erfahrungen und Erlebnisse haben mich geprägt, sodass ich auf ein unvergessliches Jahr zurückblicke. Direkt nach dem Abitur genau das Richtige, um mich selbst und so viele neue Aspekte des Lebens besser kennenzulernen!

So, jetzt muss ich aber auch los, denn gleich beginnt der Shabbat.

Wir sehen uns!

Deine Elisa

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