Die Freiwilligen in Neve Hanna
Wie lässt sich ein Jahr von fünf jungen Menschen, die sich entschieden haben, Freiwillige zu sein im Nahen Osten, in Israel, im Kinderheim Neve Hanna, in wenigen Sätzen festhalten?
Nun festhalten lässt sich eine Sache sicher nicht.
Die Zeit - auch nicht auf unzähligen Fotos.
Sie läuft, sie rennt, sie fliesst, sie sprudelt, sie schleicht, sie fliegt, sie geht im Uhrzeigersinn. Sekunden, Minuten, Stunden, Tage (und auch Nächte), Wochen, Monate, Jahreszeiten, 11 Monate- das oder was ist ein Jahr als Volontär?
Stellen wir uns das ganze als einen Film vor....
Ob es eine Komoedie, ein Drama, ein Aktionfilm, ein Psychothriller, ein Horrorfilm, eine Romanze oder gar ein Roadmovie ist, lässt sich nicht bestimmen. Die Mischung macht’s (doch der Horrorfilm kann ausgeschlossen werden).
Die Freiwilligen (unser Dokumentarfilm)
Stimmengewirr ist zu vernehmen, Reisepässe werden von zwei Händen durchgeblättert: Fünf Passfotos, fünf Namen. Die Freiwillgen: Maria, Lisa, Robin, Harold und Martin.
Dann das Geräusch eines Flugzeugs:
Der Abflug.
Die Ankunft.
Wieder Stimmengewirr, doch diesmal auf hebräisch.
Ein Einblick in das Leben im Kinderheim und dem Voluntärshaus mit den vier Schlafzimmern, dem Salon (Fernseh- und Computerzimmer) und der Küche, dem Herz des Hauses:.
10 Uhr, Frühstückspause in der Volontärs-Küche:
Fünf junge Menschen sitzen erschöpft, mit rotem Kopf (es ist heiß), in Schürze, in Latzhose, nach Mist, nach frisch gemähtem Gras oder Friteuse riechend am Tisch. Sie kommen von vier verschiedenen Arbeitsplätzen Neve Hannas: Küche, Garten, Zoo oder Einsatz als Fahrer für die Bäckerei.
Das Arbeitsprogramm umfasst ungefähr 1274 Bereiche…darunter fallen:
Gemüse schnibbeln, Regale einräumen, putzen und Müll heraustragen, Rasen mähen, Blumen bewässern, Hof fegen, Wände streichen, Unkraut jäten, Ausmisten, Tiere füttern, Brote und Kekse an Kibbuzim ausliefern etc.
Uff...
Laut und lebendig wird es um die Mittagszeit. Die Kinder kommen aus der Schule.
Nun beginnt der zweite Teil der Arbeit für die Volontäre.
Jeder ist einer der Wohngruppen zugeteilt, um dort zu essen, zu spülen, Betten zu überziehen und mit den Kindern zu spielen - Zeit, Aufmerksamkeit und Nähe zu schenken.
Die Gestaltung des Nachmittags liegt in der Hand der Freiwilligen, wobei es ein grosses Angebot an Aktivitäten gibt, an denen es sich teilzunehmen lohnt: Hebräischunterricht, Theater, Sport oder ein Treffen mit dem Rabbi des Kinderheims. Auch die Kinder sorgen dafür, dass einem am Nachmittag bestimmt nicht langweilig wird.
Als die Volontäre gerade beim wohlverdienten Frühstück sitzen, klopft es an der Tür:
Es ist ein Kind, ein kleiner Junge namens Soar, der überzeugend zu erklären versucht, dass alle Volontäre ihm dringend folgen sollen, angeblich seien ihre Eltern in Neve Hanna anwesend. Die Freiwilligen wissen, dass dies unmöglich die Wahrheit sein kann. Da der Junge aber so leidenschaftlich und energisch ist, folgen sie ihm alle. Er rennt los und alle Freiwilligen hinterher. Es folgt ein Rundgang durch ganz Neve Hanna. In jeder der 8 Gruppen wird ein Abstecher gemacht. Es schliessen sich noch andere Kinder an schliesslich sind sie neugierig, sehr lebendig und lieben „Balagan“ ( = Chaos, Tohuwabohu).
Die Bilder folgen schnell auf einander, Wörter fliegen durch die Luft, Bälle auch, Hände werden ihnen entgegen gestreckt, Türen gehen auf und zu, Fenster auch. Ein buntes, farbenfrohes Treiben.
So ist das hier.
Ein Jahr im Kinderheim Neve Hanna...eine bereichernde Herausforderung.