Neues aus Neve Hanna

Hier findet Ihr alle neuesten Berichte aus und Informationen über Neve Hanna. Seit dem 7. Oktober 2023 berichtet Antje C. Naujoks regelmäßig aus Kyriat Gat – diese Einblicke sind auf dieser Seite gesammelt.

 

Liebe Neve-Hanna-Freundinnen und Freunde,

In Neve Hanna ist soweit alles okay. Wir expandieren unseren Aktionsradius und haben endlich wieder unsere Reittherapie in dem nahegelegenen Moshaw Sde Moshe aufgenommen. Die Kinder freuen sich sehr darüber. Da Nachholbedarf besteht und Abwechselung gefragt ist, haben wir dieses Therapieprogramm gegenwärtig aufgestockt.

Darüber hinaus ist ein neues Projekt angelaufen, das wir bereits seit 2022 planen. Im letzten Frühjahr ist die große Auswahlrunde gelaufen, nur beginnen konnten wir wegen der Ereignisse ab Oktober nicht wie geplant – es geht um das Projekt „Yeladudes-Neve-Hanna-Backschule“.

Ziel der Backschule ist es, die Jugendlichen sowohl auf theoretischer als auch praktischer Ebene in den Beruf des Backhandwerks, einzuführen und eine erste Grundlage für eine mögliche zukünftige Berufsausbildung zu legen. Darüber hinaus sollen die Jugendlichen die Möglichkeit erhalten, sich Fähigkeiten anzueignen, die in jedem Berufsleben wichtig sind: Pünktlichkeit, Ausdauer, zielgerichtete Ausführung von Aufgaben, genaues Repetieren von Arbeitsvorgängen, Teamgeist, Eigenverantwortung, Verinnerlichen und eigenständiges Wiederholen der erlernten Inhalte u.v.m.

Für heute herzlichst Eure Antje

11. 01. 2024

Liebe Neve-Hanna-Freundinnen und -Freunde,

Unseren Kinder und Jugendlichen geht es in Ordnung, inzwischen sind die Kriegsgeschehen in der Region von Kiryat Gat nicht mehr direkt zu spüren – keine Raketenalarme und kaum mehr Geräuschkulisse. Dennoch merkt man, dass zum einen weiterhin Anspannung herrscht und zum anderen viele Bürger*innen mobilisiert sind; auch ehemalige Kinder von Neve Hanna und Angehörige von Mitarbeiter*innen. Damit sind beständige Sorgen verbunden.

In Neve Hanna setzten wir auf Alltag, Routine und viele Aktivitäten, allerdings niemals ohne zu vergessen, zu umarmen, zuzuhören und auf individuelle Bedürfnisse einzugehen. Inzwischen haben wir vereinzelt wieder Besuch aus dem Ausland bei uns, bislang ausschließlich aus den USA. Vielleicht kommen demnächst jedoch auch Solidaritäts-Reisende aus Europa.

Heute möchte ich Euch gerne mitteilen, dass gerade in diesen Tagen unsere jüdisch-arabischen Jugendtreffen wieder voll an Schwung gewonnen haben. Die Jugendlichen von Neve Hanna und aus Rahat sind bei den Treffen total bei der Sache, und es ist schön zu sehen, wie sie sich mit großer Neugierde einander annähern und viel Neues entdecken. Wir werden jetzt erst recht am Ball bleiben!

Für heute die herzlichsten Grüße,

Eure Antje

 

Liebe Neve-Hanna-Freund*innen,

die Zeit rast, wir alle sind sehr beschäftigt, aber einer der wichtigsten Gründe, warum ich mich in letzter Zeit weniger regelmäßig gemeldet habe, ist folgender: Es gibt nichts Besonderes zu berichten! Bei uns hat Alltag im Schatten des Krieges Einzug gehalten. Bis vor Kurzem galten noch Beschränkungen des Zivilschutzkommandos, die inzwischen jedoch aufgehoben wurden. Wir lassen dennoch weiterhin Vorsicht walten, indem wir besonders aufmerksam sind. Doch grundsätzlich heißt das:

  • Alle Kinder gehen wieder regulär zur Schule.
  • Alle Kinder die die Tageshorte besuchen sind wieder an den Nachmittagen bei uns.
  • Wir haben erneut besondere Aktivitäten aufgenommen, so beispielsweise die jüdisch-arabischen Jugendtreffen, an denen Jugendliche von Neve Hanna und Jugendliche aus Rahat teilnehmen.

Dennoch gibt es hier und da einige Veränderungen. Über Channukka betreuten wir wie üblich Kinder, die nicht ihre Familien für die Ferienwoche besuchen konnten. Normalerweise fahren diese Kinder über die Feiertage ins Ferienhaus in Rosh Pina. Da das allerdings aus Sicherheitsgründen nicht möglich war, gab es besondere Aktivitäten in Neve Hanna, darunter eine Tour mit Geländewagen in unserer Umgebung.

Dass sich vor zweieinhalb Monaten ein großer Einschnitt in unser aller Leben ereignet hat, merken wir darüber hinaus in vielerlei Hinsicht: Manchmal kommen Erinnerungen hoch oder es ergeben sich Situationen, die Ängste und Unsicherheit bringen, so dass wir weiterhin bei unserem unserem intensiv gesteigerten Therapieprogramm bleiben werden.

Da bei Euch/Ihnen Feiertage anstehen, möchte ich im Namen von Neve Hanna nicht nur besinnliche Feiertage sowie einen guten Rutsch ins neue Jahr wünschen, sondern nochmals ein großes Dankeschön für die Solidarität und die vielfältige Unterstützung aussprechen. Wir schätzen das sehr!

Herzlichst, Antje C. Naujoks

9. 12. 2023

Liebe Freundinnen und Freunde,

ich habe mich nun schon eine Weile nicht gemeldet, zur Sicherheit rufe ich in Erinnerung: no news, good news!

Neve Hanna war mit den Vorbereitungen für die Channukka-Party beschäftigt. Inzwischen sind auch die Kinder aus Rahat, die den Pfad des Friedens besuchen, wieder regelmäßig bei uns. Leider können einige Tageshortkinder aus Ashkelon wegen des Raketenbeschusses immer noch nicht nachmittags die Fahrt antreten; ein solches Risiko muss nicht sein. Diese Kinder und Familien werden von unseren Sozialarbeiter*innen betreut. Ansonsten gehen wir unserer an die neue Realität angepassten Routine nach und merken immer wieder: Therapie in dieser Situation muss Vorrang haben.

Gestern fand nun die große Party statt. Wie immer traten die diesjährigen Bar/Bat-Mitzwah-Kinder auf. Aber natürlich legten auch die Shinshinim ebenso wie die Mitarbeiter*innen Performances aufs Parkett, die – wie sollte es auch anders sein – die gegenwärtige Situation thematisch mit einbanden. Gefehlt haben uns die Freiwilligen! Dafür bekamen wir einen filmischen Gruß aus Deutschland, den Kinder und Mitarbeiter*innen mit Spannung und Jubel verfolgten.

Es wurde gesungen und gelacht, unser Channukka-Licht verscheuchte die Finsternis! Die wurde natürlich auch verscheucht, als die Kinderaugen bei der Geschenkübergabe leuchteten. Es war ein schöner Abend, ein Abend, der uns als Gemeinschaft wieder einmal gestärkt hat. Und in diesem Sinne, wünschen wir allen: Happy Channukka!!!

23. 11. 2023

Liebe Freundinnen und Freunde,

rund um das Kinderheim kann man nie den Begriff „statisch“ anbringen, denn immer ist etwas los. Und doch: In der letzten Woche gab es keine großen Veränderungen, außer, dass wir Schritt für Schritt zu unserem Rhythmus zurückfinden. Dazu gehört, dass inzwischen auch die beduinischen Kinder aus Rahat wieder den Tageshort besuchen, wenngleich die Kinder aus Ashkelon nach wie vor keine behördliche Erlaubnis für die Fahrt zu uns bekommen. Zudem haben die Kinder in Kiryat Gat wieder regulären Schulunterricht, was für sie eine große Erleichterung ist, denn mit dem Zoom-Unterricht tun sie sich unendlich schwer.

In diesen Tagen sind die Vorbereitungen für Channukka angelaufen. Heute war für die Kinder ein besonderer Nachmittag, denn die Geschenkmöglichkeiten wurden präsentiert – gestaffelt nach Alter. Jede Gruppe hat eine feste Zeit, zu der sie die „Ausstellung“ besucht. Nachfolgend entscheidet sich jedes Kind, welche drei Geschenke die persönlichen Favoriten sind. Wie Ihr wisst, gelingt es uns im Allgemeinen, den „Wunsch Platz 1“ zu erfüllen. Mit dieser Aktion steigt dann auch die Vorfreude!

Noch einige kurze Worte zur Yeladudes-Bäckerei. Der Verkauf hat mächtig unter der Situation gelitten. Wir arbeiten eigentlich nur auf Bestellung und für einige Verkaufsstände im Zentrum des Landes. Keine schöne Situation, aber damit geht es uns wie vielen anderen Betrieben im Land. Da in der Bäckerei weiterhin keine Jugendlichen arbeiten dürfen – von dort aus ist es zu weit für eine größere Gruppe zum Schutzraum –, ist die gemäßigte Auftragslage andererseits ein Segen, denn sonst könnte die Arbeit gar nicht bewältigt werden.

Für heute mit den besten Grüßen,
Antje C. Naujoks

Liebe Freundinnen und Freunde,

mit den heutigen Zeilen möchte ich Euch an zwei besonderen Momenten, die wir alle in Neve Hanna erlebten, teilhaben lassen. Der letzte Shabbat war in Neve Hanna ein traurig-besinnlicher Shabbat. Die Kinder haben draußen einen großen Tisch aufgebaut und wunderschön gedeckt. Doch kein einziger der 30 Gäste war anwesend. Dieser Tisch wurde nämlich für die 30 Kinder gedeckt, die im Gazastreifen festgehalten werden. An jedem Stuhl war ein gelber Luftballon befestigt. Dieses Symbol war für unsere Kinder sehr emotional, denn gerade mit den Jüngeren unter den fast 240 Entführten können sie sich besonders identifizieren. Schließlich sind viele in ihrem Alter, aber auch jünger oder älter, so wie ihre Geschwister. 

Ansonsten findet sich Neve Hanna weiter in die neue Routine im Zeichen des Krieges ein. Das Lernen erfolgt nach wie vor in sehr unterschiedlicher Form, was für alle anstrengend ist. Unsere Therapeut*innen arbeiten nonstop. Trotzdem halten wir an geplanten Veranstaltungen fest, zumindest wenn es um die Umsetzung auf unserem Gelände geht. Aktivitäten außerhalb sind weiterhin so gut wie nicht möglich. Gestern begingen wir, so wie jedes Jahr, das Sigd-Fest, den zentralen Feiertag der äthiopischen Juden, der in Israel 2008 als Feiertag eingeführt wurde. Team-Mitglieder haben aufgrund ihrer äthiopischen Herkunft tatkräftig geholfen, eine authentische Feier auf die Beine zu stellen, die für alle eine gelungene Abwechslung war.

Herzlichst,
Antje C. Naujoks

Liebe Freundinnen und Freunde,

in Neve Hanna ist soweit alles in Ordnung. Wir sind mehrheitlich zu unserem üblichen Fahrplan zurückgekehrt. Die Kinder sind teilweise zurück zum Unterricht in der Schule, einige länger, andere verkürzt, wieder andere haben Zoom-Unterricht. Das schafft viel Arbeitsaufwand bezüglich Feinabstimmungen, Abholungen und Verfügbarkeit des Teams.

Auch weiterhin sind wir nicht vollzählig, denn nach wie vor sind einige Kinder mit ihren Eltern unter den Evakuierten, verstreut irgendwo im Land. Zudem kann ich berichten, dass wir in der letzten Woche ein Kind neu aufgenommen haben, das diese Lösung dringend brauchte. Er lebt sich gut ein.

Die Tageshorte sind nach wie vor nicht vollständig, aber inzwischen stimmen mehr Eltern aus Kiryat Gat zu, die Kinder am Nachmittag zu schicken. Der Raketenbeschuss hat stark nachgelassen, wenngleich alle weiterhin misstrauisch sind.

Auch nachts sind wir dabei, zu unserem üblichen Modell zurückzukehren. Die Shinshinim schlafen zwar weiterhin in den Wohngruppen, aber ansonsten ist wieder der Nachtwachdienst anwesend. Ein weiteres Wort zu den Shinshinim: Unter ihnen sind etliche Kibbuzniks, die Freund*innen verloren und daher eine schwere Zeit haben. Auch sie brauchen die Umarmung der Neve Hanna-Familie mehr als sonst.

Veränderungen gibt es ansonsten im Umfeld:

  • Unsere drei Kinder im Wehrdienst sind voll eingespannt und brauchen viel Unterstützung. Das betrifft vor allem ein Mädchen, das am 7. Oktober im Kibbuz Nahal Oz war, in dem viele Hamas-Terroristen ein fürchterliches Massaker anrichteten. Dieser Kibbuz-Gemeinschaft vermisst rund ein Viertel der 471 Mitglieder, die entweder ermordet oder entführt wurden.
  • Von unseren ehemaligen Kindern sind etliche zum Reservedienst einberufen, darunter auch zwei, die heute in Neve Hanna arbeiten. Auch zu ihnen halten wir Kontakt.
  • Darüber hinaus fehlt uns im Team die Anwesenheit einer Sozialarbeiterin, die mit ihrer Familie unter den Evakuierten ist und kein Zuhause mehr hat, in das die Familie zurückkehren kann. Natürlich hat Neve Hanna eine Lösung angeboten, doch die Familie hat noch keine Entscheidung gefällt.
  • Ansonsten merkt man unserem Team an, dass viele weitere von der erschütterten Sicherheitslage betroffen sind: Wir haben nicht wenige Mitarbeiter*innen, die in den Dörfern und Kibbuzim der Region leben. Sie alle haben sich für bewaffnete Nachtwachen gemeldet; eine zusätzliche Belastung neben der vollen Berufstätigkeit.

Dennoch sind wir guter Dinge – und das müssen wir sein – nicht nur für die Kinder, sondern auch für uns selbst. Um die Moral zu heben hat Dudu, der ja seit Jahren töpfert, gerade heute einen Workshop angeboten. Es wurden Blumen gefertigt, in Erinnerung an alle Gefallenen.

Für heute herzlichst,
Eure Antje C. Naujoks

2. 11. 2023

Neve Hanna ist, was die Kinder der Wohngruppen angeht, seit einigen Tagen wieder fast vollständig. Einige wenige Kinder sind noch mit ihren Familien zusammen in Eilat, also ganz im Süden des Landes, weil sie von den Behörden dorthin evakuiert wurden. Das Sozialministerium kümmert sich darum, dass auch diese Kinder Anfang der kommenden Woche wieder nach Neve Hanna zurückkehren können.

Mit so vielen Kindern zurück in Neve Hanna sind jetzt wieder alle Wohngruppen in Aktion. Wir haben keine „Notfallroutine“ mehr, sondern entwickeln inzwischen einen festen Fahrplan für einen „Umgang mit einer langanhaltenderen Krisenlage“. Richtungsweisend sind dabei die behördlichen Anweisungen nicht nur des Sozialministeriums, sondern vor allem auch des Zivilschutzes, der für jede Region die Lage alle zwölf Stunden neu einschätzt. Auf diese Anweisungen des Zivilschutzes geht auch zurück, dass in Kiryat Gat der Schulunterricht weiterhin ausschließlich über Zoom läuft.

Bezüglich unserer drei Tageshorte ergibt sich ein anderes Bild. Bislang kommen die Kinder, die in Kiryat Gat wohnen, an den Nachmittagen nach Neve Hanna. Die Einschätzung des Zivilschutzes wird in der nächsten Woche vorgeben, ob auch die Tageshortkinder aus Ashkelon und Rahat, die eine längere Fahrt zurücklegen müssen, wieder nach Neve Hanna kommen können.

Wir haben unser therapeutisches Angebot massiv ausgeweitet. Der Streichelzoo war noch nie so lebendig! Auch Spiel- und Kunsttherapie sind aufgestockt. Zudem sind wir dabei, wieder mehr Yoga und „guided imagery“ (geführte bildliche Darstellung) anzubieten. David, unser Sportlehrer, ist ebenfalls stark eingebunden.

Nach wie vor kommen Spiel und Spaß nicht zu kurz. Hier nur ein Beispiel vom gestrigen Nachmittag: Es kam eine Frau nach Neve Hanna, die Lach-Workshops anbietet. Die Videoclips sind bemerkenswert, alle Kinder sind total bei der Sache und die Versammlungshalle war ausgefüllt mit Kichern, Gackern und lautem Lachen. Eine sehr ansteckende Sache, gut so!

Für heute herzlichst,
Eure Antje C. Naujoks

27. 10. 2023

„Seit unserer letzten Mitteilung sind weitere Kinder in Neve Hanna eingetroffen.

Weiterhin wohnen sie in Wohngruppen, an die Schutzräume angegliedert sind. Unsere Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter sind im Schichtdienst rund um die Uhr bei den Kindern.

Da es wichtig ist, in solchen Situationen eine Routine aufrechtzuerhalten, gibt es nunmehr wieder einen festen Fahrplan für jeden Tag der Woche, in dem nicht nur die Zeiten fürs Lernen festgelegt sind, sondern auch für vielfältige Freizeitbeschäftigungen.

Die Kinder sind soweit in Ordnung – sie sind schwer beschäftigt in den letzten Tagen, unter anderem mit Basteln und Werkeln, Backen und Kochen, mit Gesellschaftsspielen, gemeinsamen Aktivitäten, und am Abend dann mit Film gucken oder Karaoke singen (ein großer Spaß für die Ohren…). Zudem finden viele Besuche im therapeutischen Streichelzoo statt. Auch unsere Bücherei ermöglicht den Kindern, sich abzulenken und unsere Bibliothekarin liest den Kleinen vor.

Einen Tag wurden die Kinder sogar von Friseuren aus Kiryat Gat verwöhnt. Bei den Jungs stand zumeist ein neuer Haarschnitt an, bei den Mädchen Waschen und Föhnen. Sie fühlten sich danach alle wie Prinzen und Prinzessinnen und hatten ein großes Lächeln auf den Lippen.

Heute findet wieder ein Shabbat-Gottesdienst und ein gemeinsames Abendessen in den Gruppen statt; viel Balsam für die Seele in Form von aufmunternden Ansprachen, Zuspruch, Umarmungen, Gemeinschaftssinn – und nicht zuletzt gutem Essen!

Die Gruppe, die an einem Programm zur Qualifizierung von Jugendlichen teilgenommen hat, brachte sich auf eigene Initiative in unserer Bäckerei ein. Gemeinsam wurden Pakete mit Keksen für diejenigen Polizisten geschürt, die gerade in Kiryat Gat für Sicherheit sorgen. Zudem halten wir alle engen Kontakt zu den Shoa-Überlebenden in Kiryat Gat, mit denen wir eng verbunden sind.“

 

14. 10. 2023

Liebe Freundinnen und Freunde Neve Hannas,

einige Zeilen an einem relativ ruhigen Shabbat-Ausgang – der Raketenbeschuss hält an, ist aber nicht so massiv, wir in den ersten Tagen nach dem blutigen Überfall. Wir alle sind weiterhin in Trauer um die Ermordeten, in Sorge um Geiseln, aber auch in Sorge um Angehörige und Freunde im Dienst.

Israel rückt gerade zusammen. Enorm viele private Initiativen, Juden, Muslime, Christen, Drusen, einerlei … wir alle sitzen in einem Boot und helfen einander. Das gilt auch für Neve Hanna, denn unser Gemeinschaftssinn ist von jeher ein wichtiger Motivationsfaktor im Alltag, in guten wie auch in weniger guten Zeiten, und dann erst recht!

Wir werden sehen, ob in den nächsten Tagen noch mehr Kinder nach Neve Hanna zurückkehren können. Einige Mitarbeiter können ebenfalls bislang wegen des anhaltenden Raketenbeschusses nicht zur Arbeit kommen. In Neve Hanna war ein besonderer Shabbat angesagt mit viel Zusammenrücken und gemeinsamen Aktivitäten; immer in Nähe unserer Schutzräume. Bei der Bewältigung der Aufgaben fehlen unsere Freiwilligen! Dennoch sind wir froh, sie in Sicherheit zu wissen, was inzwischen ebenfalls für drei ehemalige Freiwillige gilt, die entweder auf Besuch oder zum Studium im Land waren.

Ich möchte heute gerne etwas mehr über Shimi erzählen, eines unserer ehemaligen Kinder. Im Verlauf der schrecklichen Ereignisse verlor er, wie die meisten bereits erfahren haben, sein Leben. Shimi war von der zweiten Klasse an in Neve Hanna, zusammen mit seinem Bruder. Shimi kam, wie wir dieser Tage in Erfahrung bringen konnten, nicht wie wir anfänglich hörten durch einen Raketenangriff ums Leben. Er ist eines der Opfer der Rave-Party zwischen dem Kibbuz Re´em und Be´eri. Er gehört er zu den 260 jungen Leuten, die keine Chance hatten, das Massaker zu überleben. Bei seinem Tod war er gerade einmal 29 Jahre alt. Möge sein Andenken selig sein.

Doch auch aus dem Kreis der Mitarbeiter gibt es traurige Nachrichten. Der Neffe unserer Kollegin, die den Pfad des Friedens leitet, gehört zu den Polizisten, die von den Terroristen ermordet wurden. Unser Mitarbeiter, der für die Tageshorte zuständig ist, hat einen engen Angehörigen verloren, der in Ausübung seines Dienstes sein Leben ließ. Viele Mitarbeiter kennen Menschen, die ermordet wurden, die im Kampf fielen. Möge auch das Andenken all dieser Menschen selig sein.

Und dann ist das noch die Geschichte der Tochter einer Mitarbeiterin, die lange Jahre zu unserem Küchenteam gehörte. Ihre Tochter wohnt im Kibbuz Nir Oz, einer der Orte, an denen grausame Massaker stattfanden. Die Tochter unserer ehemaligen Mitarbeiterin konnte sich elf Stunden lang im Schutzraum verschanzen und schließlich gerettet werden. Doch unter den vielen Ermordeten des Kibbuz sind Angehörige der Tochter unserer ehemaligen Mitarbeiterin. Ihr Sohn, der zum Bereitschaftsteam des Kibbuz gehört, wurde angeschossen, aber lebt.

Und auch von unseren beduinischen Freunden möchte ich berichten, vor allem über einen Angehörigen der Familie al-Krenawi, mit der wir seit über 40 Jahren eng kooperieren. Einer der Neffen jenes Mannes, der die Kooperation mit Neve Hanna aufbaute, ist Polizist in Ofakim, wo schwere Kämpfe gegen die Terroristen ausgefochten werden mussten; 50 Einwohner dieser Kleinstadt wurden ermordet. Dieser junge Mann stellte sich als Polizist den Terroristen entgegen und wurde durch einen Kopfschuss verletzt. Die Terroristen glaubten, er sei tot und zogen weiter. Die Kugel verletzte diesen Mann zwar, aber verhältnismäßig leicht, so dass er die nachfolgende Operation gut überstand.

Der grausame Terror hat also die Neve-Hanna-Familie nicht nur durch den Tod unseres ehemaligen Kindes erreicht. Wir sind zutiefst betrübt und wissen, dass auch Ihnen allen diese Zeilen sehr nahe gehen werden.

Antje Naujoks