Besuch in Neve Hanna

Im Laufe der letzen Monate sind immer wieder Vorstandmitglieder und ehemalige Volontär*innen in Neve Hanna zu Besuch gewesen. Manche von ihnen bleiben auch länger, um Neve Hanna zu unterstützen, wo es geht. Trotz des intensiven Engagements  der Mitarbeitenden und der israelischen Freiwilligen („Shinshinim“), ist das Fehlen der deutschen Freiwilligen spürbar, und sie werden sehr vermisst. Deshalb leisten Jona und Linus, die noch bis Ende Juni in Kyriat Gat bleiben, ganz großartige Arbeit mit ihrer eigenständigen Rückkehr nach Neve Hanna. Vor Ort bemüht sich Antje C. Naujoks weiterhin, den beiden Seminartage zu ermöglichen, die sie im Rahmen ihres Internationalen Jugendfreiwilligendienstes (IJFD) gehabt hätten. So besuchten sie vor kurzem die beduinische Stadt Hura. Außerdem sind Jona und Linus mit Thom und Leonhard aus dem deutschen Vorstand für einen Tag nach Tel Aviv gefahren. Dort haben sie unter anderem zahlreiche Gedenkorte für die Geiseln besucht.

 

 

Neues aus Neve Hanna

11.01.2024

Liebe Neve-Hanna-Freundinnen und -Freunde,

Unseren Kinder und Jugendlichen geht es in Ordnung, inzwischen sind die Kriegsgeschehen in der Region von Kiryat Gat nicht mehr direkt zu spüren – keine Raketenalarme und kaum mehr Geräuschkulisse. Dennoch merkt man, dass zum einen weiterhin Anspannung herrscht und zum anderen viele Bürger*innen mobilisiert sind; auch ehemalige Kinder von Neve Hanna und Angehörige von Mitarbeiter*innen. Damit sind beständige Sorgen verbunden.

In Neve Hanna setzten wir auf Alltag, Routine und viele Aktivitäten, allerdings niemals ohne zu vergessen, zu umarmen, zuzuhören und auf individuelle Bedürfnisse einzugehen. Inzwischen haben wir vereinzelt wieder Besuch aus dem Ausland bei uns, bislang ausschließlich aus den USA. Vielleicht kommen demnächst jedoch auch Solidaritäts-Reisende aus Europa.

Heute möchte ich Euch gerne mitteilen, dass gerade in diesen Tagen unsere jüdisch-arabischen Jugendtreffen wieder voll an Schwung gewonnen haben. Die Jugendlichen von Neve Hanna und aus Rahat sind bei den Treffen total bei der Sache, und es ist schön zu sehen, wie sie sich mit großer Neugierde einander annähern und viel Neues entdecken. Wir werden jetzt erst recht am Ball bleiben!

Für heute die herzlichsten Grüße,

Eure Antje

Neues aus Israel und frohe Feiertage

Liebe Neve-Hanna-Freund*innen,

die Zeit rast, wir alle sind sehr beschäftigt, aber einer der wichtigsten Gründe, warum ich mich in letzter Zeit weniger regelmäßig gemeldet habe, ist folgender: Es gibt nichts Besonderes zu berichten! Bei uns hat Alltag im Schatten des Krieges Einzug gehalten. Bis vor Kurzem galten noch Beschränkungen des Zivilschutzkommandos, die inzwischen jedoch aufgehoben wurden. Wir lassen dennoch weiterhin Vorsicht walten, indem wir besonders aufmerksam sind. Doch grundsätzlich heißt das:

  • Alle Kinder gehen wieder regulär zur Schule.
  • Alle Kinder die die Tageshorte besuchen sind wieder an den Nachmittagen bei uns.
  • Wir haben erneut besondere Aktivitäten aufgenommen, so beispielsweise die jüdisch-arabischen Jugendtreffen, an denen Jugendliche von Neve Hanna und Jugendliche aus Rahat teilnehmen.

Dennoch gibt es hier und da einige Veränderungen. Über Channukka betreuten wir wie üblich Kinder, die nicht ihre Familien für die Ferienwoche besuchen konnten. Normalerweise fahren diese Kinder über die Feiertage ins Ferienhaus in Rosh Pina. Da das allerdings aus Sicherheitsgründen nicht möglich war, gab es besondere Aktivitäten in Neve Hanna, darunter eine Tour mit Geländewagen in unserer Umgebung.

Dass sich vor zweieinhalb Monaten ein großer Einschnitt in unser aller Leben ereignet hat, merken wir darüber hinaus in vielerlei Hinsicht: Manchmal kommen Erinnerungen hoch oder es ergeben sich Situationen, die Ängste und Unsicherheit bringen, so dass wir weiterhin bei unserem unserem intensiv gesteigerten Therapieprogramm bleiben werden.

Da bei Euch/Ihnen Feiertage anstehen, möchte ich im Namen von Neve Hanna nicht nur besinnliche Feiertage sowie einen guten Rutsch ins neue Jahr wünschen, sondern nochmals ein großes Dankeschön für die Solidarität und die vielfältige Unterstützung aussprechen. Wir schätzen das sehr!

Herzlichst, Antje C. Naujoks

Großer Dank und weitere dringend benötigte Hilfe

Das Kinderheim Neve Hanna und wir, der deutsche Freundes- und Förderverein, möchten uns von ganzem Herzen für die großartige Solidarität, für die Spenden und für die herzerwärmenden Zeilen des Zuspruchs von so vielen Menschen danken.

Hier finden Sie einen aktualisierten Bericht und Spendenaufruf, der Neve Hanna vor allem in pucto Sicherheitsgefühl und bei den aktuellen Herausforderungen des Alltags unterstützen soll.

Nachfolgend finden Sie außerdem ein paar weitere Zeilen, die uns über Antje C. Naujoks direkt aus Neve Hanna erreicht haben.

27. Oktober 2023

„Seit unserer letzten Mitteilung sind weitere Kinder in Neve Hanna eingetroffen.

Weiterhin wohnen sie in Wohngruppen, an die Schutzräume angegliedert sind. Unsere Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter sind im Schichtdienst rund um die Uhr bei den Kindern.

Da es wichtig ist, in solchen Situationen eine Routine aufrechtzuerhalten, gibt es nunmehr wieder einen festen Fahrplan für jeden Tag der Woche, in dem nicht nur die Zeiten fürs Lernen festgelegt sind, sondern auch für vielfältige Freizeitbeschäftigungen.

Die Kinder sind soweit in Ordnung – sie sind schwer beschäftigt in den letzten Tagen, unter anderem mit Basteln und Werkeln, Backen und Kochen, mit Gesellschaftsspielen, gemeinsamen Aktivitäten, und am Abend dann mit Film gucken oder Karaoke singen (ein großer Spaß für die Ohren…). Zudem finden viele Besuche im therapeutischen Streichelzoo statt. Auch unsere Bücherei ermöglicht den Kindern, sich abzulenken und unsere Bibliothekarin liest den Kleinen vor.

Einen Tag wurden die Kinder sogar von Friseuren aus Kiryat Gat verwöhnt. Bei den Jungs stand zumeist ein neuer Haarschnitt an, bei den Mädchen Waschen und Föhnen. Sie fühlten sich danach alle wie Prinzen und Prinzessinnen und hatten ein großes Lächeln auf den Lippen.

Heute findet wieder ein Shabbat-Gottesdienst und ein gemeinsames Abendessen in den Gruppen statt; viel Balsam für die Seele in Form von aufmunternden Ansprachen, Zuspruch, Umarmungen, Gemeinschaftssinn – und nicht zuletzt gutem Essen!

Die Gruppe, die an einem Programm zur Qualifizierung von Jugendlichen teilgenommen hat, brachte sich auf eigene Initiative in unserer Bäckerei ein. Gemeinsam wurden Pakete mit Keksen für diejenigen Polizisten geschürt, die gerade in Kiryat Gat für Sicherheit sorgen. Zudem halten wir alle engen Kontakt zu den Shoa-Überlebenden in Kiryat Gat, mit denen wir eng verbunden sind.“

 

Bericht aus Israel

14. Oktober 2023

Liebe Freundinnen und Freunde Neve Hannas,

einige Zeilen an einem relativ ruhigen Shabbat-Ausgang – der Raketenbeschuss hält an, ist aber nicht so massiv, wir in den ersten Tagen nach dem blutigen Überfall. Wir alle sind weiterhin in Trauer um die Ermordeten, in Sorge um Geiseln, aber auch in Sorge um Angehörige und Freunde im Dienst.

Israel rückt gerade zusammen. Enorm viele private Initiativen, Juden, Muslime, Christen, Drusen, einerlei … wir alle sitzen in einem Boot und helfen einander. Das gilt auch für Neve Hanna, denn unser Gemeinschaftssinn ist von jeher ein wichtiger Motivationsfaktor im Alltag, in guten wie auch in weniger guten Zeiten, und dann erst recht!

Wir werden sehen, ob in den nächsten Tagen noch mehr Kinder nach Neve Hanna zurückkehren können. Einige Mitarbeiter können ebenfalls bislang wegen des anhaltenden Raketenbeschusses nicht zur Arbeit kommen. In Neve Hanna war ein besonderer Shabbat angesagt mit viel Zusammenrücken und gemeinsamen Aktivitäten; immer in Nähe unserer Schutzräume. Bei der Bewältigung der Aufgaben fehlen unsere Freiwilligen! Dennoch sind wir froh, sie in Sicherheit zu wissen, was inzwischen ebenfalls für drei ehemalige Freiwillige gilt, die entweder auf Besuch oder zum Studium im Land waren.

Ich möchte heute gerne etwas mehr über Shimi erzählen, eines unserer ehemaligen Kinder. Im Verlauf der schrecklichen Ereignisse verlor er, wie die meisten bereits erfahren haben, sein Leben. Shimi war von der zweiten Klasse an in Neve Hanna, zusammen mit seinem Bruder. Shimi kam, wie wir dieser Tage in Erfahrung bringen konnten, nicht wie wir anfänglich hörten durch einen Raketenangriff ums Leben. Er ist eines der Opfer der Rave-Party zwischen dem Kibbuz Re´em und Be´eri. Er gehört er zu den 260 jungen Leuten, die keine Chance hatten, das Massaker zu überleben. Bei seinem Tod war er gerade einmal 29 Jahre alt. Möge sein Andenken selig sein.

Doch auch aus dem Kreis der Mitarbeiter gibt es traurige Nachrichten. Der Neffe unserer Kollegin, die den Pfad des Friedens leitet, gehört zu den Polizisten, die von den Terroristen ermordet wurden. Unser Mitarbeiter, der für die Tageshorte zuständig ist, hat einen engen Angehörigen verloren, der in Ausübung seines Dienstes sein Leben ließ. Viele Mitarbeiter kennen Menschen, die ermordet wurden, die im Kampf fielen. Möge auch das Andenken all dieser Menschen selig sein.

Und dann ist das noch die Geschichte der Tochter einer Mitarbeiterin, die lange Jahre zu unserem Küchenteam gehörte. Ihre Tochter wohnt im Kibbuz Nir Oz, einer der Orte, an denen grausame Massaker stattfanden. Die Tochter unserer ehemaligen Mitarbeiterin konnte sich elf Stunden lang im Schutzraum verschanzen und schließlich gerettet werden. Doch unter den vielen Ermordeten des Kibbuz sind Angehörige der Tochter unserer ehemaligen Mitarbeiterin. Ihr Sohn, der zum Bereitschaftsteam des Kibbuz gehört, wurde angeschossen, aber lebt.

Und auch von unseren beduinischen Freunden möchte ich berichten, vor allem über einen Angehörigen der Familie al-Krenawi, mit der wir seit über 40 Jahren eng kooperieren. Einer der Neffen jenes Mannes, der die Kooperation mit Neve Hanna aufbaute, ist Polizist in Ofakim, wo schwere Kämpfe gegen die Terroristen ausgefochten werden mussten; 50 Einwohner dieser Kleinstadt wurden ermordet. Dieser junge Mann stellte sich als Polizist den Terroristen entgegen und wurde durch einen Kopfschuss verletzt. Die Terroristen glaubten, er sei tot und zogen weiter. Die Kugel verletzte diesen Mann zwar, aber verhältnismäßig leicht, so dass er die nachfolgende Operation gut überstand.

Der grausame Terror hat also die Neve-Hanna-Familie nicht nur durch den Tod unseres ehemaligen Kindes erreicht. Wir sind zutiefst betrübt und wissen, dass auch Ihnen allen diese Zeilen sehr nahe gehen werden.

Antje Naujoks
Kiryat Gat, 14. Oktober 2023

Corona Sonderspenden

Ein ungewöhnliches Jahr voller turbulenter Ereignisse im Zusammenhang mit der Covid-19-Pandemie neigt sich dem Ende zu. Daher freut es den Verein umso mehr, im Jahr 2020 Corona Sonderspenden im hohen vierstelligen Bereich eingenommen zu haben und nach Neve Hanna weiterleiten zu können. Bis Mitte Februar kamen 8.320,-€ (aktualisiert am 12.02.2021) zusammen.

Spenden jeglicher Art an den Verein Neve Hanna Kinderhilfe e.V. Hamburg können im Übrigen steuerlich geltend gemacht werden! Unser Spendenkonto zur Unterstützung des Kinderheimes Neve Hanna in Kiryat Gat finden Sie hier. Sie wollen auch in Zeiten der Pandemie helfen? Dann geben Sie im Verwendungszweck das Stichwort „Corona“ an und nennen Sie uns eine aktuelle Adresse, damit wir Ihnen eine Spendenbescheinigung zukommen lassen können.

Spendenaktion der Gebrüder-Grimm-Schule

Die diesjährige „Solibrot-Aktion“ der Nürnberger Grundschule kam dem Kinderheim Neve Hanna zu Gute. Das Projekt baut dabei eine Brücke von Kindern in Deutschland zu Kindern in Israel und vereint sie in der Leidenschaft für gute Backwaren. In diesem Jahr wurden 475 Brote bestellt, so konnte eine Spendensumme von 1361 € an das Kinderheim überwiesen werden. Für diese fantastische Unterstützung möchten wir uns im Namen von Neve Hanna ganz herzlich bei allen Kindern, Lehrer*innen, Eltern und der Bäckerei Düll bedanken!

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