Sommerrundbrief 2024

Liebe Freundinnen und Freunde von Neve Hanna,


im Rundbrief von 2021, inmitten der Corona-Pandemie, war zu lesen: „Das letzte Jahr war wohl das schwierigste in der Geschichte Neve Hannas!“ Inzwischen müssen wir erkennen, dass es noch schwierigere Zeiten geben kann und leider seit dem 7. Oktober letzten Jahres auch gibt.

Seit dem blutigen Überfall der Hamas herrscht Trauer um die Ermordeten, Sorge um die entführten Geiseln und die Soldat/innen, sowie Angst vor weiteren Angriffen. An dem Wochenende des 7. Oktober waren die Kinder, zumindest diejenigen, bei denen dies möglich ist, zuhause bei ihren Herkunftsfamilien, von denen viele im Süden in der überfallenen Region leben. In den Tagen danach holten einige Mitarbeiter*innen die Kinder in die relative Sicherheit Neve Hannas zurück – teilweise unter Einsatz ihres Lebens. Nach und nach stabilisierte sich der Alltag, feste Fahrpläne fürs Lernen, sowie auch vielfältige Freizeitbeschäftigungen waren hilfreich, Therapien gewannen eine noch größere Bedeutung. Aus der Notfallroutine wurde zusehends ein fester Fahrplan für einen Umgang mit einem Leben im Schatten des Krieges.

Die Berichte, die Neve Hanna in dieser Krisenzeit herausgab und die die Not ebenso wie die Rückkehr in den überschatteten Alltag reflektieren, sind hier auf der Website nachzulesen. Darunter auch, dass ein ehemaliges Heimkind am 7. Oktober ermordet wurde. Shimi wuchs ab dem Vorschulalter in Neve Hanna auf. Er wurde nur 29 Jahre alt.

Keramikblumen, die Dudu Weger, der langjährige Heimleiter, der heute als ehrenamtlicher Präsident amtiert, zusammen mit Neve Hanna-Kindern getöpfert hat. In Erinnerung an die ermordeten und entführten Menschen des 7. Oktober.

Und trotz aller inneren Anspannung der Mitarbeiter*innen in der Sorge um die Neve-Hanna-Kinder, als auch um ihre eigenen Familien und Freund*innen, wurden die deutschen Freiwilligen nicht vergessen: In einer spektakulären Zusammenarbeit gelang es, alle sechs Freiwilligen am 12. Oktober wohlbehalten nach Deutschland zu holen. Gleichzeitig organisierte die mit Neve Hanna befreundete „Stiftung Jugendhilfe aktiv“ in kürzester Zeit eine Wohnung und Praktikumsplätze, sodass die sechs zusammenbleiben und im Theodor-Rothschild-Haus in Esslingen und in der Wilhelmspflege in Stuttgart die fehlende Zeit bis zur Anerkennung ihres Internationalen Jugendfreiwilligendienstes (IJFD) absolvieren konnten.

An dieser Stelle möchten wir uns ganz herzlich bei allen Beteiligten bedanken! Wie tragfähig und solidarisch die Neve-Hanna-Familie ist,
zeigte sich besonders in dieser Krisensituation.

Arndt Montag (sj:a) und die Freiwilligen am Neve-Hanna- Olivenbaum vor dem Theodor-Rothschild-Haus nach ihrer Ankunft in Esslingen
der Jahrgang 2023/24
Der Freiwilligen-Jahrgang 2023-2024 kurz vor der vorzeitigen Abreise: Lea, Jana, Kim, Jona, Ricky und Linus

Wenig später, am Wochenende 11./12. November, fand in Hamburg die Vorstandssitzung mit Mitgliederversammlung und Vorstandswahlen statt. Etwa 30 Mitglieder des Vereins „Neve Hanna Kinderhilfe e.V.“ trafen sich in den Räumen der Jerusalem-Gemeinde. Da, anders als in den vorhergehenden Jahren, keine Gäste aus Israel kommen konnten, waren Dudu Weger und Chaim Appel per Zoom zugeschaltet und berührten die Anwesenden durch ihre bewegenden Berichte zur Situation in Israel im Allgemeinen und in Neve Hanna im Besonderen.

Bei den Vorstandswahlen kandidierten sechs der bisherigen Vorstandsmitglieder für eine weitere Wahlperiode und wurden in ihrem Amt bestätigt.
Roni Winter (seitheriger 1. Vorsitzender), Esther Haidle, Charlotte Kühn, Lior Ahlvers, Julian Hußmann und Ben Otto schieden auf eigenen Wunsch aus und wurden mit herzlichem Dank für ihr jahre- bzw. jahrzehntelanges Engagement aus ihrer Vorstandsverantwortung entlassen.

Der neugewählte Vorstand des Vereins für die Jahre 2023-2027 setzt sich wie folgt zusammen: Hintere Reihe: Ignatius Szlacheta, Thom Kotte (2. Vorsitzender), Leonhard Mühlmeyer Mittlere Reihe: Dagmar Bluthardt (1. Vorsitzende), Felicia Lehmann, Ruben Herzberg, Irmela Jäger Vordere Reihe: Emma Kühnelt, Dana Moch, Simone Berger-Lober Nicht auf dem Bild: Prof. Dr. Elke Schierer und Louis Weise

Aus großer Distanz und aus der Sicherheit des eigenen Zuhauses heraus die Geschehnisse in Israel zu verfolgen und nicht wirklich helfen zu können, lässt sich nicht lange aushalten. So reiste im Februar 2024 die neue Vorsitzende Dagmar Bluthardt für zwei Wochen zu einem Solidaritätsbesuch nach Neve Hanna. Im Mai und Juni folgten die Vorstandsmitglieder Simone Berger-Lober, Thom Kotte und Leonhard Mühlmeyer. Sie trafen in Neve Hanna neben allen Kindern und Mitarbeitenden auf Jona und Linus, zwei der sechs Freiwilligen, die im Oktober 2023 ihren Freiwilligendienst abbrechen mussten. Jona und Linus kehrten auf eigene Verantwortung für drei Monate zurück.

Die Solidaritätsbotschaft berührte alle in Neve Hanna zutiefst und allen voran die beiden Freiwilligen wurden mit offenen Armen begrüßt. Für die Kinder und Mitarbeiter*innen in Neve Hanna war erlebbar, dass das Zusammengehörigkeitsgefühl erneut grenzüberschreitend ist und Neve Hanna auf Hilfe aus Deutschland zählen kann!

Dagmar hilft anstreichen
Die Neve-Hanna-Leitung mit Thom und Hardy bei einer Lagebesprechung sowie glücklich vor dem fertigen Spielplatz, zu dem unsere Mitglieder und Spender*innen viel beigetragen haben.
Jona und Linus auf Tour

Dass der Verein „Neve Hanna Kinderhilfe e.V.“ zu helfen in der Lage ist, dafür sei Ihnen, unseren Mitgliedern und Spender*innen, ganz herzlich gedankt!

Überwältigt haben uns einige große Spenden, die sofort nach dem 7. Oktober eingingen. Aber auch die kleinen und kleinsten Spenden tragen zu dem gemeinsamen Ziel bei, die Kinder Neve Hannas in ihren herausfordernden Lebenslagen zu unterstützen. Was das im Einzelnen sein kann, beschreibt unsere Schatzmeisterin Irmela Jäger folgendermaßen: „Neben den treuen, regelmäßigen Spenden wird auch dankenswerterweise immer wieder zu Spenden statt Blumen bei Trauerfällen und zu Spenden statt Geschenken bei Geburtstagen und familiären Jubiläen aufgerufen. So können wir neben der, gerade jetzt im Krieg noch wichtigeren Therapiearbeit, auch zuverlässig die jüdisch-muslimischen Begegnungen Jugendlicher unterstützen. Außerdem konnten wir einen nennenswerten Beitrag zum neuen, wunderbar angelegten Spielplatz und zu verstärkten Sicherheitsmaßnahmen leisten. Zudem wurden kürzlich zwei Fahrräder angeschafft, die den (künftigen) Freiwilligen einen erweiterten Aktionsradius im immer größer werdenden Kiryat Gat (und Umgebung) ermöglichen werden.

Ein für uns besonders wichtiger Aspekt ist das unveränderte Fortbestehen der Freundschaft zwischen Neve Hanna und arabischen Bürgern Israels, insbesondere den in Rahat lebenden Beduinen. Neben persönlichen Kontakten gehören dazu zwei friedensbewegte Projekte: Täglich kommen beduinische Kinder aus Rahat und jüdische Kinder aus der Umgebung von Kiryat Gat nach der Schule nach Neve Hanna im „Pfad des Friedens“ zusammen, einem seit 2004 erfolgreich durchgeführten Friedensprojekt.

Zudem belebte Neve Hanna Treffen zwischen Jugendlichen aus Rahat und Jugendlichen aus Neve Hanna wieder. Sie sollen miteinander Spaß haben und sich besser kennenlernen. Auf die Weise werden in kleinen Schritten Vorurteile abgebaut und Freundschaften geschlossen; ein stetiger Beitrag zur Völkerverständigung auf dem Weg zu einem Frieden, der im Moment so unerreichbar scheint.

Erstes Kennenlernen bei den jüdisch-muslimischen Jugendtreffen

Neve Hanna lebt seit seiner Gründung von 50 Jahren eine friedliche Koexistenz, denn zu den Mitarbeitenden gehören natürlich auch muslimische Beduin*innen. Doch darüber hinaus pflegt der mehrheitlich jüdische Mitarbeitendenstab freundschaftliche Kontakte nach Rahat, die weit über die Arbeitsbeziehungen hinausgehen. Diese persönlichen Verbindungen sind die Grundvoraussetzung dafür, dass die Erziehung zum Frieden erfolgreich sein kann. Neve Hanna gelingt dies tatsächlich, wie die letzten schwierigen Monate wieder einmal zeigten. Dieser Beitrag zur Verständigung von jüdischen und arabischen Bürger*innen Israels ist umso wertvoller, da Neve Hanna dieses Thema in den Kreis einer Bevölkerung trägt, die damit ansonsten überhaupt nicht in Kontakt käme.

Dem Verein „Neve Hanna Kinderhilfe e.V.“ ist es ein ganz besonderes Bedürfnis, in diesen schwierigen Zeiten, welche die Menschen in Israel erleben, vor allem die therapeutische Arbeit wie auch die Friedensarbeit weiterhin zu fördern.

Um Sie auf dem Laufenden zu halten und darüber hinaus weitere Menschen für Neve Hanna wie auch für unsere Arbeit zu interessieren, informieren wir über die neuesten Entwicklungen in Neve Hanna, über den Alltag der Freiwilligen und über unsere Arbeit als deutscher Förderverein auf unserer Website (www.nevehanna.de). Aktuelle Themen finden Sie ebenfalls auf unserem Instagram-Kanal (@nevehanna_freiwilligendienst) wie auch auf dem des Kinderheimes (@nevehanna_il).

Schauen Sie doch mal rein!

Im Namen des Vorstands des Vereins „Neve Hanna Kinderhilfe e.V.“ grüßen Sie mit einem herzlichem Schalom

Dr. Dagmar Bluthardt und Thom Kotte

Besuch in Neve Hanna

Im Laufe der letzen Monate sind immer wieder Vorstandmitglieder und ehemalige Volontär*innen in Neve Hanna zu Besuch gewesen. Manche von ihnen bleiben auch länger, um Neve Hanna zu unterstützen, wo es geht. Trotz des intensiven Engagements  der Mitarbeitenden und der israelischen Freiwilligen („Shinshinim“), ist das Fehlen der deutschen Freiwilligen spürbar, und sie werden sehr vermisst. Deshalb leisten Jona und Linus, die noch bis Ende Juni in Kyriat Gat bleiben, ganz großartige Arbeit mit ihrer eigenständigen Rückkehr nach Neve Hanna. Vor Ort bemüht sich Antje C. Naujoks weiterhin, den beiden Seminartage zu ermöglichen, die sie im Rahmen ihres Internationalen Jugendfreiwilligendienstes (IJFD) gehabt hätten. So besuchten sie vor kurzem die beduinische Stadt Hura. Außerdem sind Jona und Linus mit Thom und Leonhard aus dem deutschen Vorstand für einen Tag nach Tel Aviv gefahren. Dort haben sie unter anderem zahlreiche Gedenkorte für die Geiseln besucht.

 

 

Chag Sameach

Linus bei "Streetlight" -Vorbereitungen
Linus hilft bei „Streetlight“.
Mitarbeitendenversammlung, Jona kauft symnolisch den Chametz.
Jona „kauft“ symbolisch den Chametz von Neve Hanna.

Jona und Linus, eigentlich Volontäre des Jahrgangs 2023/24, die derzeit selbstständig in Neve Hanna sind, haben an den Vorbereitungen und beginnenden Feierlichkeiten zu Pessach tatkräftig teilgenommen.

Linus half den Jugendlichen in Panas Rechov („Streetlights“) beim Bepacken zahlreicher Kartons mit Lebensmittelspenden. Mit dieser jährlichen Aktion möchte die Jugendgruppe es auch finanziell benachteiligten Familien ermöglichen, Pessach und insbesondere einen Seder (das traditionelle zeremonielle Abendessen mit dem Pessach beginnt) gebührend zu feiern. Dazu verteilen sie Lebensmittelpakete mit traditionellen Mazot, Keksen, Wein und allem, was sonst noch dazugehört.

Außerdem hat Jona symbolisch für die Zeitspanne der Feiertage Neve Hanna, insbesondere die Bäckerei, „gekauft“, sodass Neve Hanna nun koscher für Pessach ist. Trotz der bedrückenden Umstände wünschen wir allen ein gesegnetes Pessach und hoffen, dass alle mit ihren Nächsten feiern können.

Wiederkehr nach Neve Hanna

Während für viele am Donnerstag die Osterfeierlichkeiten begannen, haben Linus und Jona ihre Koffer gepackt. Anfang August 2023 waren sie mit ihren vier Mitvolontär*innen als Jahrgang 2023/24 nach Israel gereist, mussten jedoch nach dem 07. Oktober 2023 vorzeitig nach Deutschland zurückkehren. Bis Anfang Februar 2024 konnten sie ihren IJFD (Internationaler Jugendfreiwilligendienst) dankenswerterweise in Form eines FSJ (Freiwilliges Soziales Jahr) in Esslingen bei Stiftung Jugendhilfe aktiv fortsetzen. Beide waren sich jedoch sicher, dass sie, sobald es irgenwie möglich wäre, nach Neve Hanna zurückkehren wollten. Nun sind sie auf eigene Faust nach Israel gereist und werden im Streichelzoo, in der Küche, der Bäckerei, dem Garten und natürlich insbesondere in den Kindergruppen unterstützen. Bis voraussichtlich Juni können sie auf ihrem Touristenvisum dort bleiben. Jona und Linus führen ihr Volontariat ausdrücklich nicht offiziell fort, da dies derzeit auch nicht möglich ist. Trotzdem finden Sie regelmäßige Berichte und Eindrücke der beiden auf unserer instagram-Seite @nevehanna_freiwilligendienst.

Update aus Neve Hanna

21.01.2024

Liebe Neve-Hanna-Freundinnen und Freunde,

In Neve Hanna ist soweit alles okay. Wir expandieren unseren Aktionsradius und haben endlich wieder unsere Reittherapie in dem nahegelegenen Moshaw Sde Moshe aufgenommen. Die Kinder freuen sich sehr darüber. Da Nachholbedarf besteht und Abwechselung gefragt ist, haben wir dieses Therapieprogramm gegenwärtig aufgestockt.

Darüber hinaus ist ein neues Projekt angelaufen, das wir bereits seit 2022 planen. Im letzten Frühjahr ist die große Auswahlrunde gelaufen, nur beginnen konnten wir wegen der Ereignisse ab Oktober nicht wie geplant – es geht um das Projekt „Yeladudes-Neve-Hanna-Backschule“.

Ziel der Backschule ist es, die Jugendlichen sowohl auf theoretischer als auch praktischer Ebene in den Beruf des Backhandwerks, einzuführen und eine erste Grundlage für eine mögliche zukünftige Berufsausbildung zu legen. Darüber hinaus sollen die Jugendlichen die Möglichkeit erhalten, sich Fähigkeiten anzueignen, die in jedem Berufsleben wichtig sind: Pünktlichkeit, Ausdauer, zielgerichtete Ausführung von Aufgaben, genaues Repetieren von Arbeitsvorgängen, Teamgeist, Eigenverantwortung, Verinnerlichen und eigenständiges Wiederholen der erlernten Inhalte u.v.m.

Für heute herzlichst Eure Antje

Neues aus Neve Hanna

11.01.2024

Liebe Neve-Hanna-Freundinnen und -Freunde,

Unseren Kinder und Jugendlichen geht es in Ordnung, inzwischen sind die Kriegsgeschehen in der Region von Kiryat Gat nicht mehr direkt zu spüren – keine Raketenalarme und kaum mehr Geräuschkulisse. Dennoch merkt man, dass zum einen weiterhin Anspannung herrscht und zum anderen viele Bürger*innen mobilisiert sind; auch ehemalige Kinder von Neve Hanna und Angehörige von Mitarbeiter*innen. Damit sind beständige Sorgen verbunden.

In Neve Hanna setzten wir auf Alltag, Routine und viele Aktivitäten, allerdings niemals ohne zu vergessen, zu umarmen, zuzuhören und auf individuelle Bedürfnisse einzugehen. Inzwischen haben wir vereinzelt wieder Besuch aus dem Ausland bei uns, bislang ausschließlich aus den USA. Vielleicht kommen demnächst jedoch auch Solidaritäts-Reisende aus Europa.

Heute möchte ich Euch gerne mitteilen, dass gerade in diesen Tagen unsere jüdisch-arabischen Jugendtreffen wieder voll an Schwung gewonnen haben. Die Jugendlichen von Neve Hanna und aus Rahat sind bei den Treffen total bei der Sache, und es ist schön zu sehen, wie sie sich mit großer Neugierde einander annähern und viel Neues entdecken. Wir werden jetzt erst recht am Ball bleiben!

Für heute die herzlichsten Grüße,

Eure Antje

Neues aus Israel und frohe Feiertage

Liebe Neve-Hanna-Freund*innen,

die Zeit rast, wir alle sind sehr beschäftigt, aber einer der wichtigsten Gründe, warum ich mich in letzter Zeit weniger regelmäßig gemeldet habe, ist folgender: Es gibt nichts Besonderes zu berichten! Bei uns hat Alltag im Schatten des Krieges Einzug gehalten. Bis vor Kurzem galten noch Beschränkungen des Zivilschutzkommandos, die inzwischen jedoch aufgehoben wurden. Wir lassen dennoch weiterhin Vorsicht walten, indem wir besonders aufmerksam sind. Doch grundsätzlich heißt das:

  • Alle Kinder gehen wieder regulär zur Schule.
  • Alle Kinder die die Tageshorte besuchen sind wieder an den Nachmittagen bei uns.
  • Wir haben erneut besondere Aktivitäten aufgenommen, so beispielsweise die jüdisch-arabischen Jugendtreffen, an denen Jugendliche von Neve Hanna und Jugendliche aus Rahat teilnehmen.

Dennoch gibt es hier und da einige Veränderungen. Über Channukka betreuten wir wie üblich Kinder, die nicht ihre Familien für die Ferienwoche besuchen konnten. Normalerweise fahren diese Kinder über die Feiertage ins Ferienhaus in Rosh Pina. Da das allerdings aus Sicherheitsgründen nicht möglich war, gab es besondere Aktivitäten in Neve Hanna, darunter eine Tour mit Geländewagen in unserer Umgebung.

Dass sich vor zweieinhalb Monaten ein großer Einschnitt in unser aller Leben ereignet hat, merken wir darüber hinaus in vielerlei Hinsicht: Manchmal kommen Erinnerungen hoch oder es ergeben sich Situationen, die Ängste und Unsicherheit bringen, so dass wir weiterhin bei unserem unserem intensiv gesteigerten Therapieprogramm bleiben werden.

Da bei Euch/Ihnen Feiertage anstehen, möchte ich im Namen von Neve Hanna nicht nur besinnliche Feiertage sowie einen guten Rutsch ins neue Jahr wünschen, sondern nochmals ein großes Dankeschön für die Solidarität und die vielfältige Unterstützung aussprechen. Wir schätzen das sehr!

Herzlichst, Antje C. Naujoks

Bericht aus Israel

9. Dezember 2023

Liebe Freundinnen und Freunde,

ich habe mich nun schon eine Weile nicht gemeldet, zur Sicherheit rufe ich in Erinnerung: no news, good news!

Neve Hanna war mit den Vorbereitungen für die Channukka-Party beschäftigt. Inzwischen sind auch die Kinder aus Rahat, die den Pfad des Friedens besuchen, wieder regelmäßig bei uns. Leider können einige Tageshortkinder aus Ashkelon wegen des Raketenbeschusses immer noch nicht nachmittags die Fahrt antreten; ein solches Risiko muss nicht sein. Diese Kinder und Familien werden von unseren Sozialarbeiter*innen betreut. Ansonsten gehen wir unserer an die neue Realität angepassten Routine nach und merken immer wieder: Therapie in dieser Situation muss Vorrang haben.

Gestern fand nun die große Party statt. Wie immer traten die diesjährigen Bar/Bat-Mitzwah-Kinder auf. Aber natürlich legten auch die Shinshinim ebenso wie die Mitarbeiter*innen Performances aufs Parkett, die – wie sollte es auch anders sein – die gegenwärtige Situation thematisch mit einbanden. Gefehlt haben uns die Freiwilligen! Dafür bekamen wir einen filmischen Gruß aus Deutschland, den Kinder und Mitarbeiter*innen mit Spannung und Jubel verfolgten.

Es wurde gesungen und gelacht, unser Channukka-Licht verscheuchte die Finsternis! Die wurde natürlich auch verscheucht, als die Kinderaugen bei der Geschenkübergabe leuchteten. Es war ein schöner Abend, ein Abend, der uns als Gemeinschaft wieder einmal gestärkt hat. Und in diesem Sinne, wünschen wir allen: Happy Channukka!!!

Bericht aus Israel

23. November 2023

Liebe Freundinnen und Freunde,

rund um das Kinderheim kann man nie den Begriff „statisch“ anbringen, denn immer ist etwas los. Und doch: In der letzten Woche gab es keine großen Veränderungen, außer, dass wir Schritt für Schritt zu unserem Rhythmus zurückfinden. Dazu gehört, dass inzwischen auch die beduinischen Kinder aus Rahat wieder den Tageshort besuchen, wenngleich die Kinder aus Ashkelon nach wie vor keine behördliche Erlaubnis für die Fahrt zu uns bekommen. Zudem haben die Kinder in Kiryat Gat wieder regulären Schulunterricht, was für sie eine große Erleichterung ist, denn mit dem Zoom-Unterricht tun sie sich unendlich schwer.

In diesen Tagen sind die Vorbereitungen für Channukka angelaufen. Heute war für die Kinder ein besonderer Nachmittag, denn die Geschenkmöglichkeiten wurden präsentiert – gestaffelt nach Alter. Jede Gruppe hat eine feste Zeit, zu der sie die „Ausstellung“ besucht. Nachfolgend entscheidet sich jedes Kind, welche drei Geschenke die persönlichen Favoriten sind. Wie Ihr wisst, gelingt es uns im Allgemeinen, den „Wunsch Platz 1“ zu erfüllen. Mit dieser Aktion steigt dann auch die Vorfreude!

Noch einige kurze Worte zur Yeladudes-Bäckerei. Der Verkauf hat mächtig unter der Situation gelitten. Wir arbeiten eigentlich nur auf Bestellung und für einige Verkaufsstände im Zentrum des Landes. Keine schöne Situation, aber damit geht es uns wie vielen anderen Betrieben im Land. Da in der Bäckerei weiterhin keine Jugendlichen arbeiten dürfen – von dort aus ist es zu weit für eine größere Gruppe zum Schutzraum –, ist die gemäßigte Auftragslage andererseits ein Segen, denn sonst könnte die Arbeit gar nicht bewältigt werden.


Für heute mit den besten Grüßen,
Antje C. Naujoks

Bericht aus Israel

2. November 2023

Neve Hanna ist, was die Kinder der Wohngruppen angeht, seit einigen Tagen wieder fast vollständig. Einige wenige Kinder sind noch mit ihren Familien zusammen in Eilat, also ganz im Süden des Landes, weil sie von den Behörden dorthin evakuiert wurden. Das Sozialministerium kümmert sich darum, dass auch diese Kinder Anfang der kommenden Woche wieder nach Neve Hanna zurückkehren können.

Mit so vielen Kindern zurück in Neve Hanna sind jetzt wieder alle Wohngruppen in Aktion. Wir haben keine „Notfallroutine“ mehr, sondern entwickeln inzwischen einen festen Fahrplan für einen „Umgang mit einer langanhaltenderen Krisenlage“. Richtungsweisend sind dabei die behördlichen Anweisungen nicht nur des Sozialministeriums, sondern vor allem auch des Zivilschutzes, der für jede Region die Lage alle zwölf Stunden neu einschätzt. Auf diese Anweisungen des Zivilschutzes geht auch zurück, dass in Kiryat Gat der Schulunterricht weiterhin ausschließlich über Zoom läuft.

Bezüglich unserer drei Tageshorte ergibt sich ein anderes Bild. Bislang kommen die Kinder, die in Kiryat Gat wohnen, an den Nachmittagen nach Neve Hanna. Die Einschätzung des Zivilschutzes wird in der nächsten Woche vorgeben, ob auch die Tageshortkinder aus Ashkelon und Rahat, die eine längere Fahrt zurücklegen müssen, wieder nach Neve Hanna kommen können.

Wir haben unser therapeutisches Angebot massiv ausgeweitet. Der Streichelzoo war noch nie so lebendig! Auch Spiel- und Kunsttherapie sind aufgestockt. Zudem sind wir dabei, wieder mehr Yoga und „guided imagery“ (geführte bildliche Darstellung) anzubieten. David, unser Sportlehrer, ist ebenfalls stark eingebunden.

Nach wie vor kommen Spiel und Spaß nicht zu kurz. Hier nur ein Beispiel vom gestrigen Nachmittag: Es kam eine Frau nach Neve Hanna, die Lach-Workshops anbietet. Die Videoclips sind bemerkenswert, alle Kinder sind total bei der Sache und die Versammlungshalle war ausgefüllt mit Kichern, Gackern und lautem Lachen. Eine sehr ansteckende Sache, gut so!

Für heute herzlichst,
Eure Antje C. Naujoks