


Deutscher Förderverein zur Unterstützung des israelischen Kinderheims Neve Hanna


Im Laufe der letzen Monate sind immer wieder Vorstandmitglieder und ehemalige Volontär*innen in Neve Hanna zu Besuch gewesen. Manche von ihnen bleiben auch länger, um Neve Hanna zu unterstützen, wo es geht. Trotz des intensiven Engagements der Mitarbeitenden und der israelischen Freiwilligen („Shinshinim“), ist das Fehlen der deutschen Freiwilligen spürbar, und sie werden sehr vermisst. Deshalb leisten Jona und Linus, die noch bis Ende Juni in Kyriat Gat bleiben, ganz großartige Arbeit mit ihrer eigenständigen Rückkehr nach Neve Hanna. Vor Ort bemüht sich Antje C. Naujoks weiterhin, den beiden Seminartage zu ermöglichen, die sie im Rahmen ihres Internationalen Jugendfreiwilligendienstes (IJFD) gehabt hätten. So besuchten sie vor kurzem die beduinische Stadt Hura. Außerdem sind Jona und Linus mit Thom und Leonhard aus dem deutschen Vorstand für einen Tag nach Tel Aviv gefahren. Dort haben sie unter anderem zahlreiche Gedenkorte für die Geiseln besucht.
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Jona und Linus, eigentlich Volontäre des Jahrgangs 2023/24, die derzeit selbstständig in Neve Hanna sind, haben an den Vorbereitungen und beginnenden Feierlichkeiten zu Pessach tatkräftig teilgenommen.
Linus half den Jugendlichen in Panas Rechov („Streetlights“) beim Bepacken zahlreicher Kartons mit Lebensmittelspenden. Mit dieser jährlichen Aktion möchte die Jugendgruppe es auch finanziell benachteiligten Familien ermöglichen, Pessach und insbesondere einen Seder (das traditionelle zeremonielle Abendessen mit dem Pessach beginnt) gebührend zu feiern. Dazu verteilen sie Lebensmittelpakete mit traditionellen Mazot, Keksen, Wein und allem, was sonst noch dazugehört.
Außerdem hat Jona symbolisch für die Zeitspanne der Feiertage Neve Hanna, insbesondere die Bäckerei, „gekauft“, sodass Neve Hanna nun koscher für Pessach ist. Trotz der bedrückenden Umstände wünschen wir allen ein gesegnetes Pessach und hoffen, dass alle mit ihren Nächsten feiern können.
Während für viele am Donnerstag die Osterfeierlichkeiten begannen, haben Linus und Jona ihre Koffer gepackt. Anfang August 2023 waren sie mit ihren vier Mitvolontär*innen als Jahrgang 2023/24 nach Israel gereist, mussten jedoch nach dem 07. Oktober 2023 vorzeitig nach Deutschland zurückkehren. Bis Anfang Februar 2024 konnten sie ihren IJFD (Internationaler Jugendfreiwilligendienst) dankenswerterweise in Form eines FSJ (Freiwilliges Soziales Jahr) in Esslingen bei Stiftung Jugendhilfe aktiv fortsetzen. Beide waren sich jedoch sicher, dass sie, sobald es irgenwie möglich wäre, nach Neve Hanna zurückkehren wollten. Nun sind sie auf eigene Faust nach Israel gereist und werden im Streichelzoo, in der Küche, der Bäckerei, dem Garten und natürlich insbesondere in den Kindergruppen unterstützen. Bis voraussichtlich Juni können sie auf ihrem Touristenvisum dort bleiben. Jona und Linus führen ihr Volontariat ausdrücklich nicht offiziell fort, da dies derzeit auch nicht möglich ist. Trotzdem finden Sie regelmäßige Berichte und Eindrücke der beiden auf unserer instagram-Seite @nevehanna_freiwilligendienst.

Münster, im Februar 2024
Einige Tage nach dem 07. Oktober 2023 bekam ich einen Anruf aus Berlin. Jutta Frost, von der ich mehrere Jahre nichts mehr gehört hatte, rief an und fragte mich – so als ob wir erst letzte Woche miteinander gesprochen hätten: „Sag mal, Roni, wie schätzt du denn die Situation in Israel ein, was hast du gehört?“
Es entspann sich ein intensives Gespräch über den schrecklichen Überfall der Hamas und dessen Folgen. Sie war sehr informiert, durchaus kritisch und hatte einige Artikel im Internet recherchiert.
Sehr beeindruckt beschloss ich, sie in Berlin zu besuchen.
Mitte Dezember kam es dann zu einem Treffen in ihrer kleinen Wohnung.
Ich dachte, ich treffe eine 97-jährige alte, honorige Dame und war darauf eingestellt, mich ganz den Gegebenheiten und ihrer Verfassung anzupassen.
Aber sofort nachdem sie die Tür geöffnet und mich herzlich begrüßt hatte, waren alle Bedenken zerstreut. Auf die Frage, was ich denn trinken möchte, antwortete ich, ich trinke wohl Tee mit dir. Sie antwortete: Ich mache dir auch gerne einen Kaffee, willst du? Ging in die kleine Küche und bediente die Kaffeemaschine. Bald saßen wir vertieft in ein intensives Gespräch bei besagtem Kaffee mit Kuchen. Ich hatte das Gefühl, ich sitze einer guten Freundin gegenüber, offen, klar, interessiert und direkt, Themen ansprechend und diskutierend, sich auf gleicher Ebene austauschend. Themen – angefangen bei Israel und der dramatisch zugespitzten politischen Situation, deutscher Tagespolitik, der LGBTQ-Bewegung, Visionen, aber auch Sterben und Tod – alles persönlich, vertraut und offen.
Warum erzähle ich das? Weil sie genauso für mich war: Direkt bei der Sache, kritisch zuhörend, wach und herzlich. Sie war offen für andere Meinungen, im positiven Sinne neugierig und fragend.
So hat sie auch jahrzehntelang seit der Gründung von Neve Hanna im Vorstand gewirkt. Sie hat vieles angeregt, begleitet, hat sich eingesetzt für neue Ideen, z.B. Neve Hanna als Zuhause für die Kinder weiterzuentwickeln, der Erweiterung und aktiveren Begleitung des Volontärdienstes, den Austausch mit den Beduinen, die Idee der Bäckerei, des Tierparks – ganzheitlich und gesellschaftlich eingebettet.
Sie war nicht immer nur beliebt, denn sie konnte durchaus auch kritisch hinterfragen, Wahrheiten aussprechen, die nicht so gerne gehört wurden.
Sie hat vieles bewegt und erreicht – hat sich dabei aber nie in die erste Reihe gestellt.
Hanni Ullmann und Jutta Frost waren ein gutes Team. Sie haben sich gegenseitig angeregt und vieles gemeinsam geplant und initiiert. Den Prozess von den drei Betonhausschachteln im Sand, angekauft als Basis für ein Kinderheim mit einer besonderen Ausrichtung und Vision bis hin zu dem Projekt, was Neve Hanna heute ausmacht, das hat sie nicht nur mitverfolgt, sondern auch mitgestaltet.
Sehr intensiv begleitete Jutta zudem die Friedensarbeit von Neve Hanna. Sie nahm nicht nur Anteil, sondern war von den ersten Reisen von jüdisch-beduinischen Jugendgruppen mit dabei. Bis auf den heutigen Tag erinnern die nunmehr erwachsenen Jugendlichen von damals diese beeindruckende Frau.
Ohne sie wäre Neve Hanna nicht das, was es ist!
Dafür sei ihr ganz herzlich gedankt auch im Namen der Heimleitung, Itzik Bohadana, Dudu Weger und Chaim Apel sowie dem ganzen Team von Neve Hanna – einschließlich der beduinisch-muslimischen Partner, insbesondere Muhammed al-Krenawi.
Im Namen des Vereins „Neve Hanna Kinderhilfe e.V.“ möchte ich hiermit meine große Wertschätzung für ihre Lebensleistung, insbesondere für ihr Engagement für das Projekt Neve Hanna bekunden und gleichzeitig unser herzlichstes Mitgefühl ausdrücken für die Familie und ihren Lieben, denn am 20. Februar 2024 ist sie für immer von uns gegangen.
Danke, Jutta!
Reinhard (Roni) Winter
für den Vorstand des Vereins „Neve Hanna Kinderhilfe e.V.“
Liebe alle,
hier der kurze Hinweis, dass wir die regelmäßigen Updates unter dem Titel „Neues aus Neve Hanna“ aus den aktuellen Posts ausgegliedert haben. Alle Einblicke in und Updates aus Neve Hanna seit dem 07.10.2023 finden Sie jetzt unter Neve Hanna > Alltag > Neues aus Neve Hanna.
21.01.2024
Liebe Neve-Hanna-Freundinnen und Freunde,
In Neve Hanna ist soweit alles okay. Wir expandieren unseren Aktionsradius und haben endlich wieder unsere Reittherapie in dem nahegelegenen Moshaw Sde Moshe aufgenommen. Die Kinder freuen sich sehr darüber. Da Nachholbedarf besteht und Abwechselung gefragt ist, haben wir dieses Therapieprogramm gegenwärtig aufgestockt.
Darüber hinaus ist ein neues Projekt angelaufen, das wir bereits seit 2022 planen. Im letzten Frühjahr ist die große Auswahlrunde gelaufen, nur beginnen konnten wir wegen der Ereignisse ab Oktober nicht wie geplant – es geht um das Projekt „Yeladudes-Neve-Hanna-Backschule“.
Ziel der Backschule ist es, die Jugendlichen sowohl auf theoretischer als auch praktischer Ebene in den Beruf des Backhandwerks, einzuführen und eine erste Grundlage für eine mögliche zukünftige Berufsausbildung zu legen. Darüber hinaus sollen die Jugendlichen die Möglichkeit erhalten, sich Fähigkeiten anzueignen, die in jedem Berufsleben wichtig sind: Pünktlichkeit, Ausdauer, zielgerichtete Ausführung von Aufgaben, genaues Repetieren von Arbeitsvorgängen, Teamgeist, Eigenverantwortung, Verinnerlichen und eigenständiges Wiederholen der erlernten Inhalte u.v.m.
Für heute herzlichst Eure Antje
11.01.2024
Liebe Neve-Hanna-Freundinnen und -Freunde,
Unseren Kinder und Jugendlichen geht es in Ordnung, inzwischen sind die Kriegsgeschehen in der Region von Kiryat Gat nicht mehr direkt zu spüren – keine Raketenalarme und kaum mehr Geräuschkulisse. Dennoch merkt man, dass zum einen weiterhin Anspannung herrscht und zum anderen viele Bürger*innen mobilisiert sind; auch ehemalige Kinder von Neve Hanna und Angehörige von Mitarbeiter*innen. Damit sind beständige Sorgen verbunden.
In Neve Hanna setzten wir auf Alltag, Routine und viele Aktivitäten, allerdings niemals ohne zu vergessen, zu umarmen, zuzuhören und auf individuelle Bedürfnisse einzugehen. Inzwischen haben wir vereinzelt wieder Besuch aus dem Ausland bei uns, bislang ausschließlich aus den USA. Vielleicht kommen demnächst jedoch auch Solidaritäts-Reisende aus Europa.
Heute möchte ich Euch gerne mitteilen, dass gerade in diesen Tagen unsere jüdisch-arabischen Jugendtreffen wieder voll an Schwung gewonnen haben. Die Jugendlichen von Neve Hanna und aus Rahat sind bei den Treffen total bei der Sache, und es ist schön zu sehen, wie sie sich mit großer Neugierde einander annähern und viel Neues entdecken. Wir werden jetzt erst recht am Ball bleiben!
Für heute die herzlichsten Grüße,
Eure Antje
Der Neve Hanna Kinderhilfe e.V. wünscht allen ein frohes, gesundes und vor allem friedliches neues Jahr 2024! 💚
Auch wenn die Situation für Neve Hanna gerade nicht einfach ist, versuchen wir alle weiter nach vorne zu blicken. Dazu gehört, dass wir aktuell davon ausgehen, dass wir im August 2024 wieder Freiwillige nach Israel entsenden können.
Wenngleich wir unsere Volos gegenwärtig in Deutschland im Einsatz haben, weil es die Sicherheitslage eben nicht zulässt, planen wir für den Dienst bis zum Sommer 2025 einen neuen Jahrgang ein. Wir sind uns der damit verbundenen Herausforderungen bewusst und werden deshalb selbstverständlich nur in engster Zusammenarbeit und Absprache mit den jeweiligen Behörden, unseren deutschen Trägern und dem Kinderheim vor Ort handeln.
In Anbetracht dessen, dass wir uns in herausfordernden Zeiten befinden, haben wir die Bewerbungsfrist für unseren Internationalen Jugendfreiwilligendienst (IJFD) 2024/2025 auf den 31. Januar 2024 verlängert.
Schreibt uns gerne, wenn Ihr spezifische Fragen habt! Alle allgemeinen Informationen findet Ihr wie gehabt auf unserer Webseite unter der Rubrik Freiwillige > Bewerbung.
Liebe Neve-Hanna-Freund*innen,
die Zeit rast, wir alle sind sehr beschäftigt, aber einer der wichtigsten Gründe, warum ich mich in letzter Zeit weniger regelmäßig gemeldet habe, ist folgender: Es gibt nichts Besonderes zu berichten! Bei uns hat Alltag im Schatten des Krieges Einzug gehalten. Bis vor Kurzem galten noch Beschränkungen des Zivilschutzkommandos, die inzwischen jedoch aufgehoben wurden. Wir lassen dennoch weiterhin Vorsicht walten, indem wir besonders aufmerksam sind. Doch grundsätzlich heißt das:
Dennoch gibt es hier und da einige Veränderungen. Über Channukka betreuten wir wie üblich Kinder, die nicht ihre Familien für die Ferienwoche besuchen konnten. Normalerweise fahren diese Kinder über die Feiertage ins Ferienhaus in Rosh Pina. Da das allerdings aus Sicherheitsgründen nicht möglich war, gab es besondere Aktivitäten in Neve Hanna, darunter eine Tour mit Geländewagen in unserer Umgebung.
Dass sich vor zweieinhalb Monaten ein großer Einschnitt in unser aller Leben ereignet hat, merken wir darüber hinaus in vielerlei Hinsicht: Manchmal kommen Erinnerungen hoch oder es ergeben sich Situationen, die Ängste und Unsicherheit bringen, so dass wir weiterhin bei unserem unserem intensiv gesteigerten Therapieprogramm bleiben werden.
Da bei Euch/Ihnen Feiertage anstehen, möchte ich im Namen von Neve Hanna nicht nur besinnliche Feiertage sowie einen guten Rutsch ins neue Jahr wünschen, sondern nochmals ein großes Dankeschön für die Solidarität und die vielfältige Unterstützung aussprechen. Wir schätzen das sehr!
Herzlichst, Antje C. Naujoks